Unterwegs im Kaukasus - letzter Teil - Das Elbrus Wild Race


Foto: Trail-Magazin
Es gibt viele verrückte Rennen auf der Welt. Das Elbrus Wild Race gehört sicher dazu. Du brauchst ein Visum und im besten Fall ein Permit, um in die Höhe gehen zu können. Um sich an die Höhe zu gewöhnen, sollte man früh anreisen, was jedoch zur kompletten Umstellung der Ernährung führt. Ganz davon abgesehen ist ein Lauf, der bis auf 3400 Meter über Seehöhe zu laufen ist, kein Pappenstiel.


Ultra oder nicht, das ist hier die Frage

Allein die Ultradistanz hat bei 57,4 Kilometer Streckenlänge lustige 3780 Höhenmeter zu beißen. Ganz frisch Operierte dürfen sich im Team auf 122 Kilometer und 5430 Höhenmeter freuen. Vielleicht findet sich ja eine Gruppe Nordhessencupläufer, die 2019 zusammen in den Kaukasus fliegen will? Ich wäre dabei, allerdings maximal auf 57 km, denke ich.

Elbrus

Elbrus Skyrace

Und dann gibt´s da noch eine Sache: Elbrus Skyrace oder Red Fox Elbrusrace. Das Ganze ist eine Art Festival, aus mehreren Rennen kombiniert, unter anderm einer Skitour. Die Königsdisziplin startet dann auf 2500 Meter und darf bis 5642 Meter gelaufen werden. Wer mehr darüber wissen will, soll gern Google nutzen. Mir fehlen bei der Sache echt die Worte. Denn eines weiß ich: In der Höhe ist Laufen keine Option mehr, außer man möchte enden wie die verreckte Pistenraupe, die auf 5000 Meter im Eis liegt.

Ein Wikinger als Bergführer


Über all das denke ich nach, als wir im Flieger nach Hause sitzen. In der Reihe neben uns hat Til seine 2 Meter in die Sitzreihe gefaltet. Ich denke die Flüge sind für ihn eine größere Herausforderung als die Gipfel. Vermutlich war die Tour für ihn keine wirkliche Herausforderung, aber darüber hat er nie ein Wort verloren. Um ehrlich zu sein, ich hätte zwischendrin unseren deutschen Bergführer gern gegen Til eingetauscht.

 
Til ganz oben

Wladimir Putin - der nächste 007??

Die Verlockung ist groß, ein Fazit zu ziehen nach einer solchen Tour. Doch nach nunmehr vier Russlandreisen gelingt mir das immer noch nicht. Das Land ist so zwiespältig, die Kluft zwischen dem Erlebten und dem Offiziellen so verwirrend, ich jedenfalls komme auf keinen Nenner.

Da laufen wir zum Beispiel durch Naltschik und ich denke: Warum hängt da hinten ein Werbeplakat für James Bond? Hoch wie eine Fassade, in der entsprechenden Pose, schreitet Daniel Craig mit wehendem Sakko, nur die Wumme fehlt. Meine Augen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Das ist Wladimir Putin! Exakt in der Haltung, in der Craig auf Plakaten zu Casino Royale oder Skyfall posierte, mit Sonnenbrille allerdings. Ich frage mich, was er damit sagen will, wen er damit überzeugen will. Wäre ich Russe, ich wüsste nicht, ob ich es gut fände, wenn mein Präsident MI6-Agent ist, und im Designeranzug von Armani oder Boss posiert. Das Motiv gibt´s übrigens auch auf

T-Shirts gedruckt zu kaufen.

Auf Wiedersehen Russland - wo immer du bist


Die Herzlichkeit, ja die Freundschaft, mit der wir hier behandelt werden, ist nicht aufgesetzt, ist ehrlich. Vielleicht ist das Plakat von Putin auch ehrlich, vielleicht gibt es zwei Russlands. Mich erinnert das an meine Kindheit im Osten. Wir sind oft im Wald herumgestromert und dabei gelegentlich in Feldlagern der sowjetischen Armee gelandet. Die haben ihre Hungerrationen mit uns geteilt und uns Pistolenmunition in die Hände geschüttet. Das Ganze hatte immer dann ein Ende, wenn Offiziere auftauchten. Damals hatten wir so einen Verein den alle gehasst haben: "Deutsch-sowjetische Freundschaft" hieß der. Wenn es ein Fazit einer solchen Reise gibt, dann, dass es wohl gut wäre, es gäbe einen solchen Club wieder. Eine Verbindung die abseits der aktuellen Krawallpolitik funktionieren würde. Denn Jewgeni, Alexej, Oleg, Galina und all die anderen Russen, denen wir begegnet sind, haben kein Interesse daran, uns an die Gurgel zu gehen. So wenig, wie wir ihnen. Ich wünschte, es würde so bleiben. 

Til, Andrea, Oleg, Olaf

Ende


Danksagung

Natürlich entsteht solch ein Text nicht über Nacht. Dank gilt meiner Frau Andrea für die Idee zu dieser wundervollen Reise. Ich danke Til und Joseph für diverse Fotos und Til insbesondere für viele kurzweilige Storys rund ums Bergsteigen. Besonderer Dank geht an Doris, die meinen Text von Rechtschreibfehlern und Längen befreit hat. Ich hoffe, Euch hats gefallen. Dieses Jahr geht's wieder nach Albanien.

Sportliche Grüße aus Melsungen